Standpunkt: Lückenbüßer

Politik | aus FALTER 44/00 vom 01.11.2000

Die Angelegenheit erinnert an die Affäre um Christoph Daum. Der deutsche Fußballtrainer ließ sich freiwillig auf einen Drogentest ein, obwohl er wissen hätte müssen, dass er dabei des Kokainkonsums überführt wird. Ein ähnliches Experiment wagte die Regierung in der Frage der Entschädigung für arisiertes Vermögen. Historiker weisen seit Jahren darauf hin, dass sich das Nachkriegsösterreich bei der Rückstellung geraubter Güter beschämend verhalten hat. Die Regierung wollte trotzdem einen neuen Bericht - und weckte falsche Erwartungen. Österreich habe in Sachen Restitution schon bisher mehr als andere Länder getan, sagte Kanzler Schüssel. Und die Zwangsarbeiter-Beauftragte Schaumayer meinte: "Es werden nicht allzu viele Lücken da sein." Der neue Bericht der Historikerkommission über die Arisierung und Rückstellung von Wohnungen belegt so ziemlich das Gegenteil (S. 15). Vieles deutet darauf hin, das es bei anderen Vermögenswerten nicht viel anders lief. Die Regierung kann nun beweisen, ob sie es mit der Entschädigung aller NS-Opfer tatsächlich ernst meint, oder ob das redliche Vorgehen bei der Zwangsarbeiterentschädigung nur durch den Druck aus dem Ausland nach der Regierungsbildung zu erklären ist. Trifft erstere Annahme zu, wird Schwarz-Blau noch tief in die Tasche greifen müssen. G. J.


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