Ein bitteres Lehrstück

Arisierungen. Der neue Bericht der Historikerkommission zeigt, wie die österreichischen Behörden und Politiker die Rückgabe arisierter Wohnungen verhindert haben. Entgegen den Vermutungen der Regierung klaffen bei der Restitution riesige Lücken.

Politik | Gerald John | aus FALTER 44/00 vom 01.11.2000

Die Hausmeisterin war immer sehr nett. So zuvorkommend behandelte sie die Familie Freiberger, dass diese ihr des Öfteren Kinderkleidung und sogar Geld schenkte. Doch am 13. März änderte sich das Wesen der Frau schlagartig. Im Wirtshaus bot sie einem Nazifreund einfach die Wohnung der Freibergers an. Der Mann schlug zu, die jüdische Familie musste innerhalb weniger Tage ausziehen.

Hersch Weinfeld durfte noch ein halbes Jahr länger bleiben. Dann warfen die Nazis auch ihn aus seinem Heim - und wollten ihn auch noch dafür zahlen lassen. Walter H., der sich in Weinfelds Wohnung in der Hütteldorfer Straße breit gemacht hatte, beanstandete einige Gebrechen und wollte die Reparaturkosten dem Rausgeworfenen aufbrummen. Dazu kam es nicht mehr. Der Tischlermeister verbrachte seine letzten Jahre in einer Sammelwohnung in der Leopoldstadt, ehe er im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde. Zwei Monate später war Weinfeld tot.

Es bedurfte keines Befehls. Schon in den ersten Tagen nach dem


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige