Fernsehen

Medien | Gerald John | aus FALTER 44/00 vom 01.11.2000

Als relativ spät Geborener genoss ich eine halbwegs liberale Erziehung. Jedenfalls brachte man mir bei, dass typische Vorlieben von Männern und Frauen keineswegs angeboren, sondern nur eine Frage der Erziehung sind. Seit im Fernsehen so genannte Kultserien laufen, zweifle ich allerdings an dieser These. Es muss einfach an den Genen liegen, dass sich die eingeschworenen Fangemeinden der beliebten Serien Ally McBeal und The Simpsons strikt nach geschlechtlichen Kriterien definieren. Natürlich sehen auch Frauen gerne den gelben Männchenzu, und Männer der hysterischen Anwältin. Doch hier ist von Aficionados die Rede, von echten Experten - und da sind die Frontlinien eindeutig. Ich etwa scheitere an den Fragen meiner Kolleginnen, was Ally in ihrer Kindheit mit ihrem Vater getrieben hat und welche Töne Ling beim Orgasmus von sich gibt. Dafür kenne ich keine Frau, die weiß, wie Krusty, der Clown mit bürgerlichem Namen heißt, in welcher Einheit Grandpa Simpson und Mr. Burns gemeinsam gedient haben oder welche Drogen Marge heimlich einwirft. Dabei ist es ganz leicht: Herschel Krustovski, Höllenfische und LSD.


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