Spielplan

Kultur | P.Rathmanner / C.Fastner | aus FALTER 44/00 vom 01.11.2000

Es ist doch alles bloß Erotik", sagt ein Schauspieler. Ach, wenn es nur das wäre. Aber "Pornologos" in der Burg-Spielstätte Kasino am Schwarzenbergplatz zehrt zwei Stunden lang an den Nerven. Der Anfang ist viel versprechend: Die Stimme des Regisseurs (Francois-Michel Pesenti) gibt aus dem Off Befehle, die von den Schauspielern ausgeführt werden. Es beginnt harmlos ("Nennt euren Namen"), geht weniger harmlos weiter ("Macht die geile Frau"), und bei "Greift euren Nachbarn ans Geschlecht" ist klar, welche Richtung der Abend nehmen wird: Wir werden Zeugen davon, wie Schauspieler schweißtreibend versuchen, pornographische Haltungen vorzuführen, die zunehmend orgiastischer aufgelöst werden. Es hat den Anschein, als ob die Truppe unter ihrem ambitionierten Regisseur zu sehr in ihr Material verliebt ist, das sie bei der Recherche im Pornomilieu zusammengetragen hat, und darüber außer Acht lässt, dass der Zuschauer ihren Grenzüberschreitungen nicht mehr folgen kann. Und vielleicht gar nicht mehr will.

Auf Wiens neuer Opernbühne im Schauspielhaus spannt Regisseur Hans Gratzer gekonnt zwei Bearbeitungen von Kurt-Weill-Klassikern zusammen und - weniger gekonnt - Helen Schneider in verbindender Funktion ein: Im "Mahagonny Songspiel" darf die Ex-Rocksängerin zwar den "Alabama Song" beisteuern, beschränkt sich ansonsten aber auf die Beobachtung des verhängnisvollen Aufbruchs in die Goldgräberstadt, um dann als Anna in den "Sieben Todsünden" alles Schlechte schon mal gesehen zu haben und trotzdem programmgemäß ihrem Verderben entgegenzugehen - leider auch musikalisch. Mit dem großartigen Vokalensemble Vienna Harmonists, mit Markus Schirmer, der die "Todsünden" am Klavier begleitet, sowie mit der von Sandy Lopicic als Balkan-Ausgabe einer Marching Band durch "Mahagonny" geführten Wiener Akademie kommt Schneider stimmlich einfach nicht mit. Schade um den ausgesprochen guten dramaturgischen Einfall.


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