Völlig losgelöst von der Erde

Steirischer Herbst. Theater vom anderen Stern: Das Bühnen-Solo "The Far Side of the Moon" von und mit Robert Lepage gastiert in Graz.

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 44/00 vom 01.11.2000

Beim Versuch, die Schwerkraft zu überwinden, sind schon viele auf die Schnauze gefallen. Auch im Theater endet der Traum vom Fliegen in den allermeisten Fällen mit einer Bruchlandung auf harten Bühnenbrettern. Regisseure können nicht zaubern, und Schauspieler sind letztlich auch bloß Menschen. In seltenen Glücksmomenten gelingt es dennoch irgendwie, die Naturgesetze zu überlisten. Man spricht dann, nicht zu Unrecht, von einem Theaterwunder. Und auffällig oft hat in solchen Fällen der kanadische Regisseur Robert Lepage seine Finger im Spiel.

Seit dem Welterfolg seiner "Drachen-Trilogie" in den späten Achtzigerjahren muss Lepage mit dem Beinamen "Theaterzauberer" leben. Der Frankokanadier hat das Theater nicht neu erfunden, aber er hat ihm eine ungewohnte neue Rolle zugewiesen: Während das Theater seit jeher seine ganze Kraft darauf verwendet, längst bekannte Geschichten so zu verpacken, dass man sich trotzdem dafür interessiert, behauptet Lepage die Bühne als originären Ort


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