Fisch oder Hühnchen?

Musik. Jill Scott, singende Dichterin und dichtende Sängerin aus Philadelphia, beehrt Wien mit ihrer eleganten Club-Soul-Show.

Kultur | Robert Rotifer / London | aus FALTER 44/00 vom 01.11.2000

Jill Scott lässt sich jede Silbe auf der Zunge zergehen. "Ich bin kein MC", sagt sie salbungsvoll, "ich bin eine Dichterin. Ich muss dem Beat nicht folgen, ich kann ihn auch auf den Kopf stellen." Eine interessante Abgrenzung. Selbst Neo-Soul-Klassizistinnen wie Erykah Badu hatten sich doch bisher immer korrekt als Teil der alles umspannenden HipHop-Kultur definiert. Nach all den Jahren, in denen von nichts anderem als gegenseitigem Respekt und den gemeinsamen afroamerikanischen Wurzeln die Rede war, koppelt sich nun eine wie Jill Scott von dieser Verpflichtung zur Identifikation mit dem kulturellen Erbe ihrer Herkunft ab. Man könnte es Verrat nennen, Emanzipation passt aber besser. "Ich bin nicht nur mit HipHop, sondern auch mit Jazz, Funk, Mozart, Mendelssohn, Brahms, Nina Simone und Ella Fitzgerald aufgewachsen. Ich bin eine Künstlerin. Ich ziehe es vor, mich nicht festzulegen. Mein nächstes Album könnte genauso gut Rock, Blues, Funk oder Jazz sein. Ich könnte auch italienische


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