Himmelfahrtskommando

Tod in Wien. Dieser Tage ist wieder ganz Wien auf den Friedhöfen der Stadt versammelt und frönt der Leidenschaft für die "schene Leich". Währenddessen bekommt der Zentralfriedhof einen neuen Bewohner.

Stadtleben | Wolfgang Paterno | aus FALTER 44/00 vom 01.11.2000

Seine letzte Nacht verbringt Heinrich D. neben Henrietta A. und Ursula W. Zu elft wird in der stockdunklen Kammer auf den Morgen gewartet. In dem klammen Raum im Kellergeschoß der Halle 1 des Wiener Zentralfriedhofs lagern zwei Metall- und neun Holzsärge in Holzregalen aufgeschichtet, die langen Kühlrippen an der Decke geben ein surrendes Geräusch von sich. Noch hat Heinrich D. zwei Stationen auf dem Weg bis in die ewige Ruhe vor sich: Am Morgen findet im Aufbahrungsraum ein Gottesdienst statt, dann führt der Kondukt mit dem Sarg und den Angehörigen auf die Grabstelle. Noch heißt es für die Leichen in der bei konstant fünf Grad Raumtemperatur gehaltenen Kammer für einige Stunden warten. Erst in der Früh erscheint der "Arrangeur" Fritz Ferstl in seiner hellgrauen Friedhofsuniform und macht sich an die Arbeit. Beim Betreten der so genannten "Beisetzkammer" sagt Ferstl, der den Ablauf in der Aufbahrungshalle überwacht, nicht "Grüß Gott", er meint nur: "Ich hol jetzt meine Leich


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