Vor 20 Jahren im Falter

... erschütterten heftige Debatten um neue Männer, Machos und Chauvi-Gehabe die Wiener Wohngemeinschaften, und so flüchtete der Softie zum Männerstammtisch.

Vorwort | aus FALTER 45/00 vom 08.11.2000

Ich habe mir in den letzten beiden Jahren feministisches Gedankengut zu Eigen gemacht, natürlich nicht ohne äußere Beeinflussung. Ich versuche meine Gedanken in Tun umzusetzen und mich weiterzuentwickeln. Ich will meinen Machismo abbauen, vielleicht auch ein bisschen die Welt verbessern. Eine Frau soll für mich nicht nur ein Bettwärmer sein; ein Instrument, auf dem ich meine Verführungskünste spielen lassen kann, sondern ein Mensch. Das ist oft gar nicht so einfach, wie es sich liest; es ergeben sich genug Probleme dadurch: Wie kann ich es z.B. abstellen, Frauen, die in eine bestimmte Alterskategorie fallen, zu taxieren und als "brauchbar" oder "unbrauchbar" abzuqualifizieren. Das ist für mich ein eingelernter Automatismus, der mir schmerzlich bewusst ist, der aber in eigenartigen Stimmungen, während deren ich wieder in mein altes Chauvi-Gehabe zurückfalle, unvermeidbar auftritt. Meiner Meinung nach ist die Veränderung des Mannes genauso wichtig wie die der Frau. Wo kann gleichzeitig für die Frauenbewegung, für den neuen Mann und an mir arbeiten? Ich habe mich also bei den Jungsozialisten umgesehen. Schauderhaft. Die Jusos setzen das Patriarchat genauso fort, wie es von den Altvorderen überliefert ist. In linken Gruppierungen würde ich wahrscheinlich mit einem wohlwollenden Lächeln bedacht werden. Das kann ich nicht brauchen. Ich muss daher andere Möglichkeiten suchen. Ich will mit Männern beisammen sein, die wirklich reden wollen. Der eine Weg ist die Selbsterfahrungsgruppe, der andere eben der "Männerstammtisch". Das wäre ein Platz, wo sich Männer zusammensetzen können, die sich über ihre Rolle Gedanken machen.


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