Standpunkt: Nennen Sie Namen!

Politik | aus FALTER 45/00 vom 08.11.2000

Auf den ersten Blick war es kein schlechter strategischer Coup, den Alfred Gusenbauer da am Wochenende landete. Sein ÖVP-Outing im Standard, dass die Regierungspartei schon längst wieder mit der SPÖ anbandle, bescherte ihm immerhin einen Riesenauftritt in der "ZiB 1". Und tags darauf schäumten prompt Haider, Stadler & Co über den scheinbar seitenspringenden Koalitionspartner. Auf den ersten Blick ein gelungener Querschuss, ja. Nur leider verließ den SPÖ-Chef auf halbem Weg dann doch der Mut. Namen von ÖVP-Politikern wollte der Oppositionschef nämlich keine nennen, die ihm ein unmoralisches Angebot für einen fliegenden Koalitionswechsel unterbreitet hätten. Seitdem unkt die ÖVP nicht ganz zu Unrecht, dass sich der SPÖ-Chef wohl mit ausrangierten Bezirkspolitikern unterhalten haben muss. Am Montag gab dann auch Gusenbauer zu, dass es "keine Treffen mit Parteispitzen" gegeben hätte. "Man" habe nur an "diskreten Orten über hundert Dinge palavert, und irgendwann sei dann eben auch über das geplaudert worden". Das lässt nur zwei Schlüsse zu: Entweder weiß Gusenbauer nicht, dass man Koalitionen nicht mit Hinterbänklern schmiedet. Oder er hat geflunkert und geglaubt, so einen Keil zwischen Schwarz und Blau treiben zu können. Dazu bräuchte es aber Namen. N.W.


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