Außer Kontrolle

Essay. Regierungen und Bürger werden brutalen ökonomischen Kräften unterworfen. Eine europäische soziale Bewegung muss gegen diese Politik der Entpolitisierung ankämpfen.

Politik | Pierre Bourdieu | aus FALTER 45/00 vom 08.11.2000

Hinter der scheinbaren Zwangsläufigkeit der ökonomischen Gesetze verbirgt sich in Wirklichkeit eine Politik, der ein Paradox eigen ist: Es handelt sich um eine Politik der Entpolitisierung. Ihr Ziel ist es, den Wirtschaftskräften durch ihre Befreiung von jeglicher Kontrolle einen verhängnisvollen Einfluss einzuräumen. Und sie ist bestrebt, die Unterwerfung der Regierungen und der Bürger unter die derart freigesetzten ökonomischen und sozialen Gesetze zu erreichen.

Alles, was man unter dem zugleich deskriptiven wie normativen Begriff "Globalisierung" fasst, ist nicht das Resultat ökonomischer Zwangsläufigkeiten, sondern einer durchdachten und bewusst geführten, sich ihrer Konsequenzen jedoch meist nicht bewussten Politik. Diese neoliberale Politik hat die liberalen oder gar sozialdemokratischen Regierungen einer ganzen Reihe von wirtschaftlich fortgeschrittenen Ländern dazu verleitet, sich ihrer Kontrollfunktion über die Wirtschaftskräfte zu entledigen. Entwickelt wurde sie in


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