Außer Kontrolle/Bourdieu und "Raisons d'agir": Gegen die "neoliberale Invasion"

Politik | aus FALTER 45/00 vom 08.11.2000

Seit Jahrzehnten ist Pierre Bourdieu für sein Schaffen weltweit angesehen. Doch zum politischen Akteur wurde der französische Soziologe erst, als er 1995 die streikenden französischen Eisenbahner besuchte, sich mit ihnen solidarisierte und so zum Sprachrohr der französischen Streikbewegung avancierte. Der mittlerweile 70-jährige Gesellschaftstheoretiker profilierte sich in der Folge als einer der einflussreichsten Vertreter des linken Widerstandes gegen die "neoliberale Invasion", wobei er sich nicht nur auf den traditionellen politischen "Feind" konzentrierte, sondern auch mit der "neuen Sozialdemokratie" in der Prägung Tony Blairs, Gerhard Schröders und auch Lionel Jospins abrechnete. Ihre Popularität verdanken Bourdieus Thesen der von ihm mitbegründeten Buchreihe "Libre - Raisons d'agir", in der die Streitschriften des Soziologen, poppig aufgemacht, publiziert wurden. "Raisons d'agir" - zu deutsch in etwa "Gründe zum Handeln" - nennt sich auch Bourdieus Intellektuellen-Bewegung, die sich als eine "linke Linke" versteht und sich mittlerweile zu einem europaweiten Netzwerk ausgewachsen hat.

Website: www.raisons.org.


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