Spielplan

Kultur | Petra Rathmanner | aus FALTER 45/00 vom 08.11.2000

Wer nach einem anstrengenden Tag ins Theater will, sollte die neue Serapionstheater-Produktion "Ni Mas Ni Menos" eher nicht aufsuchen. Die Gefahr, dabei einzuschlafen, ist groß: In der ersten halben Stunde ist kaum etwas zu hören oder zu sehen, denn die Schauspieler treten auf Zehenspitzen auf und bahnen sich mit Streichhölzern ihren Weg auf die abgedunkelte Bühne. Ein plötzlich aufkeimendes Stimmengewirr lässt den dösenden Zuschauer zwar aufschrecken, aber was sich vor ihm dann abspielt, ist nicht gerade erhellend: Zwölf Gelehrte in langen Mänteln stellen in einer Bibliothek allerlei mit Büchern an, außer diese zu lesen. Zwei Stunden lang zelebrieren die seltsamen Bibliothekare das bekannte Odeon-Bewegungstheater, das wie die alten Bücher in den Regalen Staub angesetzt hat. Erst im Programmheft lässt sich nachlesen, dass die Archivare auf der Suche nach der Weisheit und dem Weltwissen waren.

Am Volkstheater mag man es klarer. Der amerikanische Dramatiker Tom Ziegler baut "Grace & Glorie" nach einem simplen Muster auf: Die Begegnung von zwei konträren Frauenfiguren, die zunächst von Missverständnissen und Konflikten geprägt ist, mündet in eine innige Freundschaft. Aufgefettet wird der Plot dadurch, dass es ums Sterben geht. Denn Grace, die 90-jährige Bäuerin (Hilde Sochor) hat Krebs. In ihren letzten Tagen trifft sie auf Glorie (Babett Arens), eine junge Karrierefrau aus New York, die es aufs Land und zur Arbeit im Hospiz verschlagen hat. Deshalb besucht sie regelmäßig die liebenswert sture Grace. Die launigen Gespräche der beiden drehen sich um ihr ungleiches Leben und den nahenden Tod. Die Inszenierung auf der apfelgrünen Bühne (Grace besaß eine Apfelplantage) besticht durch das feinfühlige Zusammenspiel der beiden Schauspielerinnen und verliert bei den Monologen - was auch an dem etwas hausbackenen Text liegt, der den Sinn des Lebens auch schon mal in einer Strickmasche sucht.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige