Aufgeblättert Spezial

Kultur | aus FALTER 45/00 vom 08.11.2000

Eigentlich vermisst er es, "dieses melancholische Vögeln" mit Ehefrau Sylvia. Damals, in der Amsterdamer Studentenbude, ereigneten sich Orgasmen, nach denen wenigstens die Frau noch leise weinen konnte. Das stimmt Theo Altena - gefühlsamputierte Hauptfigur in "Die Nebenfrau", dem zweiten auf Deutsch erschienenen Roman von Joost Zwagerman - doch etwas wehmütig. Nach dem Umzug mit Sylvia ins nordholländische Provinzstädtchen Bergermeer hat Theo, der Niederländischlehrer mit Spitznamen "Die Nase", Disziplinschwierigkeiten in der Pflichtübung Reihenhaus-Sex: Mit tragikomischem Spott beschwört Zwagerman die Monstrosität bürgerlicher Doppelmoral, die in ihrem völligen Unvermögen zur Selbstreflexion selbstzerstörerische Kräfte entwickelt. Während Biedermann Theo mit Provinzeifer im schwiegerelterlichen Wohnzimmer gegen Rassismus wettert, sucht er bei den wöchentlichen "Vögelpartien" mit der dunkelhäutigen, surinamischen Turnlehrerin Iris nicht nach Liebe, sondern nach "pornographischer

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