Das Schachtelprinzip

Kunst. Wo ist zeitgenössische Kunst besser aufgehoben: im Haus oder auf der Flucht?

Vorwort | Gerald Matt | aus FALTER 46/00 vom 15.11.2000

Die Kunst der Jahrhundertwende ist flüchtig geworden: Sie gleitet, fein verteilt, durch die Datenleitungen, sie erobert und markiert kunstferne Stadträume, sie thematisiert Konzept und Kontext und misst der physischen Präsenz als handhabbares Objekt weniger Bedeutung bei.

Der Künstler der Jahrhundertwende lässt sich meist nicht auf ein Ausdrucksmedium einengen: Seine Arbeit expandiert in die unterschiedlichsten Materialzonen. Vom Tafelbild zur Computerinstallation, von der Skulptur zur Fotoserie. Zusammengehalten von einem Expressionswillen, der die Darstellungsmöglichkeiten einer Vielzahl von Medien nutzt, um seine ästhetischen Zielvorstellungen als Patchwork zu konstruieren.

Kunst hat keine natürliche Homebase mehr: Sie navigiert zwischen kompetitiven Ästhetiken, von denen keine den Alleinvertretungsanspruch des Fortschrittlichen einklagen kann. Sie mag politisch Stellung beziehen, aber sie ruht nicht auf dem Fundament einer politischen Theorie, die in der Lage wäre, durch ihre


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