Die Medienkatastrophe

Analyse. Österreichische Katastrophendramaturgie, Version 4.0: Metaphysische Medienheuchelei statt investigativem Journalismus.

Medien | Stefan Weber / Salzburg | aus FALTER 46/00 vom 15.11.2000

Mediale Katastrophendramaturgien gestalten sich mittlerweile wie James-Bond-Narrative. Man kennt sie bereits. Und alles muss, damit man bei der Stange bleibt, immer mehr werden: mehr Opfer, mehr Leid, mehr Unfassbarkeit. Die Realität tut dem Publikum diesen Gefallen. Österreich hat in den vergangenen Jahren mit erstaunlicher Periodizität dazu den Plot geliefert: zuerst Lassing (Version 1), dann Galtür (Version 2), dann Tauerntunnel (Version 3), jetzt Kitzsteinhorn (Version 4). Der Erstickungstod am, im oder unter dem Berg scheint langsam, aber sicher das neue österreichische Kollektivtrauma zu werden, das Raum für theologische, naturromantische, techno- und kulturkritische wie auch soziologische Interpretationen eröffnet: Gott nimmt das Fleisch, das er in die Welt gesetzt hat; die vergeblich gezähmte Natur rächt sich am Menschen, die Technik ist an ihre Grenzen gelangt, die österreichische (Kultur-)Technik scheitert an der schönen Natur, die Risikogesellschaft siegt über die


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