Spielplan

Kultur | Petra ,Rathmanner | aus FALTER 46/00 vom 15.11.2000

Theoretisch gäbe es diese Woche zwei hochinteressante Stücke zu entdecken - wenn die Inszenierungen mit der Qualität der Texte mithalten könnten. Im dietheater Konzerthaus wird "Gott ist ein DJ" gezeigt, das Kultstück von Falk Richter, dem Hamburger Zeitgeistanalytiker und Jungstar der deutschen Theaterszene. Das Stück handelt von der grotesken Simulation einer Zweierbeziehung als Performance: Zwei junge Künstler erfinden ihr Leben vor laufender Kamera und führen den abgefilmten Alltag gleichzeitig in der Kunsthalle vor. Richters Stück war wohl als Satire auf einen Kulturbetrieb gedacht, der nach Authentizität giert, doch mittlerweile ist die Selbstinszenierung dank "Big Brother" zum Volkssport geworden, und so kann "Gott ist ein DJ" auch als ein Satyrspiel zur Fernsehshow verstanden werden. Jedenfalls hat der Autor ein absurdes Konversationsstück vorgelegt, das im Zitatenschatz von Pop und Philosophie wildert und dabei große Spielräume für Schauspieler eröffnet - die von Nina Gabriel und Christian Nisslmüller nicht genutzt werden. Die Koproduktion von Ariadne-Theater und dem klagenfurter ensemble macht sich aus der Vorlage keinen Spaß; Ergebnis ist eine fade Sketchrevue mit lauter Durchhängern. Im Schauspielhaus liegt das Problem weniger bei Schauspieler und Regisseur Helmut Berger als vielmehr bei den Produktionsbedingungen: In knapp zwei Wochen Probezeit lässt sich ein komplexer Text wie "Aus" nicht in seiner ganzen Tiefe auf die Bühne wuchten. Das Stück des Tiroler Autors Alois Hotschnig erinnert an die Schilderungen Franz Innerhofers über eine Kindheit in einer streng patriarchalischen, katholischen Bauernfamilie, in der der Vater als unbeherrschter Tyrann Angst und Schrecken verbreitet. Der Monolog schildert die letzte Begegnung zwischen dem Sohn und dem im Sterben liegenden Vater, ist durchaus überzeugend geschrieben, aber nicht so gespielt. Berger schwimmt zwischen den Textzeilen, und es ist ihm anzumerken, dass er sich dabei gar nicht wohl fühlt.


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