Streifenweise

Kultur | Michael Loebenstein | aus FALTER 46/00 vom 15.11.2000

Schön langsam hat es den Anschein, als wäre die Popularität synthetischer (sprich: computergenerierter) Bilder im Kino untrennbar mit dem Topos des Dinosauriers verbunden. Der Fortschritt auf dem Gebiet fotorealistischer 3-D-Animation legt es sichtlich nahe, jener Spezies auf die Pelle zu rücken, der nie ein Mensch angesichtig werden konnte. Von "Jurassic Park" über diverse "Universum"-Straßenfeger bis in naturhistorische Museen machen hyperrealistische Simulationen der ausgestorbenen Echsen ihren eigenen, physischen Überresten (wie Spuren im prähistorischen Lehm oder Skelettteilen) Konkurrenz, wenn es um die populäre, das heißt unterhaltsame und anschauliche Beweisführung und Illustration naturwissenschaftlicher Erkenntnisse geht. Der Animationsfilm "Dinosaurs" (Regie: Ralph Zondang / Eric Leighton), Disneys jüngster Beitrag zum heiß umfehdeten Marktsegment der Hybridform aus Realfilm, digitaler und traditioneller 2-D-Animation, steht klar in dieser Tradition.

Populärwissenschaftliches Wissen (oder zumindest konsensuale Spekulation) über die Ursachen des plötzlichen Aussterbens der "schrecklichen Echsen" dient hier quasi als historisches Setting für eine simple Fabel über Herdenwesen und heldenhaften Individualismus, den Schicksalsschlag und die Auflehnung eines kämpferischen Geistes gegen die vermeintliche Unausweichlichkeit der Katastrophe. Den Dino-Findling Aladar verschlägt es zu den Lemuren; als junger Mann (oder besser: Iguanodon) bricht er mit einer multikulturellen Horde prähistorischer Zeitgenossen auf, dem Schicksal des Hungertodes ins versprochene Land jenseits der Berge zu entrinnen. Dabei sind die Saurier antropomorph genug (und ist die Geschichte dünn genug), um nicht von den tatsächlichen Attraktionen des Filmes abzulenken - nämlich mittels avanciertester Bild- und Toneffekte den Thrill physischer Präsenz zu produzieren.


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