Humor mit Bart

Operette. Was an Offenbachs Märchen-Travestie "Blaubart" heute interessant ist, kann die Inszenierung in der Volksoper nicht sagen. Sie ist nicht einmal sonderlich unterhaltsam.

Kultur | Jürg Stenzl | aus FALTER 46/00 vom 15.11.2000

Operetten sind - wie Revolutionen - "das Leichte, das schwer zu machen ist" (Brecht). Das wusste der Theaterunternehmer und Komponist Jacques Offenbach so gut wie seine Librettisten Ludovic Halevy und Henri Meilhac, auf die es in erster Linie ankam. Erfolg, und nicht hohe Kunst, war auch damals der Maßstab. Deshalb brachten diese Theatermacher bekannte Geschichten mit einem attraktiven Star in satirischer Form auf die Bühne; die antiken Helden Jupiter und Orpheus tanzten, Helena verführte, und dem furchtbaren König Blaubart misslang sein Killer-Handwerk. Dass dabei die Pointen häufig plump ausfielen und der Humor nicht der feinste war, gehörte dazu.

"Barbe-bleue" war 1866 ein derartiger wohlkalkulierter Erfolg; eine Märchentravestie, in der sich zum frauenmörderischen Blaubart gleich noch ein männermordender idiotischer König samt abgetakeltem Gefolge gesellt. Beide Herrscher sind angesichts eines spontanen und männererfahrenen Landmädchens bereits am Ende ihres Französisch


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