Gleich schepperts!

Musik. Auf "The Dropper" hat das Trio Medeski Martin and Wood Teilchen der Jazzgeschichte beschleunigt und mit HipHop aufgefettet.


Klaus Nüchtern

Kultur | aus FALTER 46/00 vom 15.11.2000

Ein gemorphter Kapuzenträger und zwei zwielichtige zorroartige Gestalten mit Schlafmasken: Das Cover von "The Dropper", dem jüngsten Album von Medeski Martin and Wood (MMW) auf dem altehrwürdigen Jazz-Label Blue Note, sieht nicht gerade so aus, als wäre es als freundliche Klangtapete für einen Abend mit potenziellen Sexualpartnern und einer schönen Flasche Rotwein geeignet. Dafür war das 1991 gegründete Trio aber auch noch nie zuständig.

Auf der Homepage von MMW erfährt man, dass die "Hochzeit von HipHop-Beats und dem dissonanten Ausdruck des Free Jazz", die mit dem Blue-Note-Debüt "Combustication" begonnen hat, auf "The Dropper" nun fortgesetzt wird. Ganz falsch ist das nicht. Aber es unterschlägt zum Beispiel, dass es da auch noch den Orgel-Jazz der Sechzigerjahre gibt und dass MMW auf der besten Platte des Gitarristen John Scofield ("A Go Go") dafür sorgten, dass diese Sechzigerjahre-Soul-Reminiszenzen dem Hörer schwer auf die für Hüftschwünge zuständigen Muskelpartien

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