Probiers mal bei Barbara/Houellebecq lyrisch : Monsieur Michel sucht das Glück

Kultur | aus FALTER 46/00 vom 15.11.2000

Wo Menschen öffentlich privat sind, fehlt es nie an Publikum. Ob im Container oder Taxi - die Hoffnung ist stets dieselbe: Das Private soll sich zeigen, direkt und ohne Inszenierung. Nicht nur Reality Shows, sondern auch Gedichte leben zu einem guten Teil von dem Versprechen, Intimität zu vermitteln. Allerdings ist Lyrik heute kein zentrales Medium mehr, um Gefühle zu übertragen. Gerade deshalb sind die Gedichte von Michel Houellebecq so interessant. Erzählen sie doch immer wieder von der ungestillten Sehnsucht nach Nähe, nach emotionaler Resonanz.

Die Gedichte zielen ins Herz der Dinge. Das Ich jedoch, das hier spricht, lebt am Rande der Aufmerksamkeit. Nie kommt es zu einer Annäherung, Berührungen finden nicht statt, die Entfernungen bleiben unüberwunden. Wir begegnen den Ausgesperrten in ihrer Einsamkeit im Leben und im Sterben. "Ich mag Krankenhäuser, diese Horte des Leidens / Wo sich die vergessenen Alten zu Organen verwandeln." Die ambivalenten Sympathien kreisen um das Hinfällige,


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