Stadtrand: Blitzlichtgewitter

Stadtleben | aus FALTER 46/00 vom 15.11.2000

Früher war das so: Da tauchte in Clubs, Lokalen und bei Partys vielleicht einmal am Abend ein Kamerateam auf, überflutlichtete die Tanzfläche, brachte das Partyvolk (oder diejenigen, die sich dafür hielten) dazu, sich ein paar Minuten lang selbst darzustellen, und verschwand wieder. Mittlerweile haben die "Seitenblicke" Konkurrenz bekommen - nicht (nur) vom Privatfernsehen, sondern von unzähligen "Reportern", die für Online-Party-Magazine, Internet-TV-Stationen oder womöglich die ganz private Bilddatenbank arbeiten. Kann man bitte all diesen Menschen an der Türe zum Nightlife die Videokameras, Digitalfotoapparate und vor allem Halogenleuchten und Blitze wegnehmen! Wenn ich einen Club besuche, dann erwarte ich nämlich eigentlich keine Society-Berichterstattung über mein Privatleben und kein Blitzlichtgewitter im Minutentakt. Auch nicht, dass mich jemand aus einem Gespräch holt und "bitte recht freundlich" auffordert, in irgendeine Digicam zu lächeln. Solches Trara sollen meinetwegen die VIPs in den doch eigens dafür vorgesehenen VIP-Räumlichkeiten veranstalten. Wenn sie unbedingt ihre schwitzenden Gesichter anschließend auf irgendwelchen Homepages besichtigen wollen, bitte. Aber, Society-Reporter, lasst Normalos einfach in Ruhe feiern. Bitte, danke. C.W.


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