Comandantina Dusilova: Fliegentotmacher

Stadtleben | aus FALTER 46/00 vom 15.11.2000

Bill Frisell ist einer jener Männer, die aussehen, als könnten sie keiner Fliege etwas antun. Männer wie Bill Frisell tun aus Ermangelung einer fliegentotmachenden Physis lieber mit Jazztönen herum. Jazzmusik ist nämlich so was wie Fliegentotmachen ohne den Einsatz körperlicher Gewalt. Bill Frisell, der Fliegentotmacher "second to none", sieht aus wie die Leute, denen du tagtäglich in der U-Bahn begegnest. Vermutlich fährt Bill Frisell in Chicago, Minneapolis oder wo auch immer tatsächlich tagtäglich rituell U-Bahn, um sich sein berühmtes apathisch-normales Aussehen zu erhalten. (Pat Metheny, der Meister der Jazztapete, sieht dafür eher aus wie ein Mechaniker ohne Führerschein. Einer, der sich täglich die Haare föhnt, aber heftig auf Naturlocke macht.) Trotz Fliegentotmacherei: Was Bill Frisell auf einer Gitarre anstellen kann, ist einfach cool. Er winselt nicht, er bellt nicht, er knurrt nicht. Er sitzt einfach nur cool da und dehnt Melodien, die intellektuelle Fliegentotmacher in einem hoch komplexen Lauf verstauen würden, zu enorm coolen, enorm untertourigen Exekutionen. Nicht einmal der Maikäferkiller Scofield ist so exekutiv wie Bill Frisell.


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