Tier der Woche: Schwinger-Club

Stadtleben | Peter Iwaniewicz, iwaniewicz@falter.at | aus FALTER 46/00 vom 15.11.2000

Halali und Horrido! Schon manche Stunde habe ich in meinem Leben der Jagd gefrönt: Ich war Primzahlenjäger, bin Tornados nachgejagt, lag nächtelang neben Teilchenbeschleunigern auf der Lauer, um Hadronen und Quarks zu entdecken, habe in den Kompetenzen meiner Kollegen gewildert und so manches Bierchen zur Strecke gebracht.

Aber. Niemals habe ich dabei geklagt oder gar - horribile dictu - um Hilfe gerufen. Anders hält es in dieser Angelegenheit der Geschäftsführer des oberösterreichischen Landesfischereiverbandes, Karl Wögerbauer. Dieser ließ vor kurzem einen solchen Hilfeschrei fahren. Und zwar in Form von Abschussanträgen, wie er sagt. Was denn, werden Sie jetzt sicherlich ausrufen, jetzt will man auch schon Fische mit dem Gewehr jagen! Müssen wir uns an den unschönen Anblick von Pumpguns, die auf stille Wässer zielen, gewöhnen? Oder ist gar mit einem Revival des Dynamitfischens zu rechnen? Nein, zu solchen Gewaltakten wollen sich die Nylonschnurschwinger nun doch nicht hinreißen lassen. Aber die uferseitige Kollegenschaft, die Jäger, sollen einen Konkurrenten beseitigen: den fischereikartenlosen Fischotter.

Der Bestand an schuppigen Freunden hätte sich in manchen Gegenden des Mühlviertels dramatisch verringert, klagt der Wögerbauer Karl. Nachdem man den bösen, weil fischfressenden Kormoran in Oberösterreich bereits geschasst hat, muss also jetzt der nächste Prügelknabe her. Und wer Fisch-Otter heißt, ist offensichtlich schuldig genug.

Der Naturschutzbund vermutet hinter diesen Abschusswünschen bloßen Futterneid. Doch von dieser niedrigen Gesinnung distanzieren sich die Hobbyangler: Der Fischotter ist zwar auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten, aber "auch Fische haben ein Recht auf Existenz", flöten die Inhaber von Fischereirechten. Seltsamerweise ist diesen rührigen Fischschützern ein winziges Detail entgangen: Das Recht hat einen Haken. Und an dessen Ende hängen sie dann, die bedrohten, vor dem bösen Fischotter geschützten Mühlviertler Fische.


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