Schüssel in Jerusalem

Schwarz-Blau. Mit seiner Geschichtsfälschung möchte Wolfgang Schüssel der ÖVP als "Staatspartei" zur Hegemonie verhelfen.

Vorwort | Siegfried Mattl | aus FALTER 47/00 vom 22.11.2000

Nein, der Nahe Osten ist wirklich kein günstiges Terrain für österreichische Außenpolitiker. Wer erinnert sich nicht an den Auftritt Alois Mocks in Badeshorts auf der königlich-jordanischen Yacht. Dieser Tage war es sein Nachfolger Wolfgang Schüssel, der die falschen Hosen gewählt hat. Österreich, so posaunte er am Jahrestag der "Reichskristallnacht" in der Jerusalem Post, sei das erste Opfer des Nazi-Regimes gewesen - "der souveräne österreichische Staat", genau zitiert.

Die symbolische Geste konnte dennoch nicht klarer sein: Schüssel dementierte damit die Aussage Franz Vranitzkys, der 1993 einen Vortrag in Israel genutzt hatte, um als erster österreichischer Kanzler die Mitschuld von Österreichern an Verursachung und Verbrechen des Zweiten Weltkriegs und am Holocaust öffentlich einzugestehen. Über Schüssels Auftritt herrscht satte Zufriedenheit in den Leserbriefseiten der hiesigen rechtskonservativen Presse, und der mühsam erzielte Konsens unter Wissenschaftlern und Politikern


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige