Harte Burschen, harte Strafen

Strafvollzug. In der Justizanstalt Gerasdorf versucht man kriminelle Jugendliche im modernen Strafvollzug zu resozialisieren. Doch Experten schlagen nun Alarm. Mittel werden gekürzt. Gesetze verschärft.

Politik | Nina Horaczek | aus FALTER 47/00 vom 22.11.2000

Hams a Handy?" "Ja." "Waffen?" "Nein." "Passt." Auf Knopfdruck öffnet sich die schwere Eisentür. Justizanstalt Gerasdorf. "Hier landet niemand wegen einer Jugendtorheit", meint Gefängnisdirektor Reiner Gandolf, ein Mann, den hier alle mit "Herr Hofrat" ansprechen. Nur Burschen mit "multifaktorellen Störungen" und "Defiziten". Nach Gerasdorf kommt, wer zu mehr als sechs Monaten verurteilt wurde. Ein bis zwei Jahre dauert es im Durchschnitt, bis die Gefangenen wieder aus der schweren Eisentüre treten. Dafür sorgt eine zwei Kilometer lange Mauer. 76 Jugendliche, die man hier "schwere Burschen" nennt, sind von ihr eingeschlossen.

Bald werden es mehr sein. Ab 1. Juni 2001 soll das strenge Erwachsenenstrafrecht bereits für 18-Jährige (bisher 19-Jährige) gelten. Zwar soll Jugendlichkeit theoretisch nach wie vor ein Minderungsgrund sein. Die Praxis wird anders aussehen: Das Justizministerium rechnet mitrund 18.000 Hafttagen mehr.

Der Wiener Rechtsanwalt Otto Unger bemerkt schon heute Verschärfungen:


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