Vom Ausfließen der Worte

Literatur. Menschen, die nie ins Kabarett gehen würden, können jetzt überprüfen, was sie in den vergangenen zehn Jahren verpasst haben: Karl Ferdinand Kratzl hat ein Buch geschrieben.

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 48/00 vom 29.11.2000

Damit keine falschen Erwartungen geweckt werden, sollte man vielleicht vorwegschicken, dass dieses Buch nicht sonderlich lustig ist. Obwohl der Autor aus der Unterhaltungsbranche kommt, handelt es sich nicht um ein Kabarettbuch, in dem die besten Witze aus soundsovielen Programmen nachgelesen werden können. Mit so etwas kann Karl Ferdinand Kratzl schon deshalb nicht dienen, weil es in seinen Programmen kaum Witze gibt - jedenfalls keine, mit denen man am nächsten Tag in der Bürokantine punkten könnte.

Kratzls Bühnensolos (zuletzt: "Lockende Wildnis", "Susi, wach auf") lassen sich am besten als Expeditionen durch einen wild wuchernden Gedankendschungel beschreiben; wer den Pfad nicht verliert, stößt dabei auf die unheimlichsten Fantasien und die bizarrsten Pointen, die man sich vorstellen kann. Der heute 47-jährige Wiener war 1989 aus dem Nichts aufgetaucht und auf den Kabarettbühnen wie ein spätes Wunderkind bestaunt worden; gegen die Berufsbezeichnung "Kabarettist" hat er sich


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