Aufgeblättert

Kultur | Martin Droschke | aus FALTER 48/00 vom 29.11.2000

Es gibt Bücher, die haben es nicht verdient, aber man möchte nach 36 Seiten nicht weiterlesen. Weil man genau weiß, dass ein Buch wie "Melancholie der Ankunft" nicht mehr als eine Geschichte enthalten kann, die so wie das schnörkellos geschriebene "Eine vorübergehende Sache" direkt in den Hirnstoffwechsel eingreift: Eine Frau und ein Mann kämpfen um die Scherben ihres Familienglücks. Ihr rutschte das Baby zu früh aus dem Bauch. Als feststeht, dass sie sich trennen werden, gesteht er, das tote Kind kurz im Arm gehalten zu haben: Es wäre ein Junge geworden. Die Geschichte von Jhumpa Lahiri dörrt ihren Lesern ab Seite zehn den Hals aus, auf Seite 20 verkrampfen sich die Gesichtsmuskel und auf Seite 34, als sie ihm mitteilt, wieder schwanger zu sein, ihn aber dennoch verlassen wird, rollen die Tränen. Da brauchts dann gar keine wortreichen Ausblicke mehr, und keine der folgenden acht eher lapidar erzählten Geschichten. Für "Melancholie der Ankunft" wurde die in London als Kind


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