Liebe ist kälter als der Tod

Theater. Selbstmord ist auch eine Lösung: Henrik Ibsens "Rosmersholm" im Akademietheater, Sarah Kanes "Gier" im Burgtheater-Vestibül.

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 49/00 vom 06.12.2000

Norwegen, im Februar 2000: Ein 25-jähriger Norweger und eine 17-jährige Schülerin aus Steyr springen gemeinsam vom Predigtstuhl, einem 600 Meter hohen Felsen am Lysefjord, in die Tiefe. Der Doppelselbstmord machte international Schlagzeilen, weil sich die beiden Lebensmüden in einem Internet-Forum (alt.suicide.holiday) verabredet hatten. Das Mädchen hatte sich auf eine makabre Kontaktanzeige des jungen Mannes ("Ich möchte es mit jemandem zusammen tun") gemeldet, die beiden lernten einander nur kennen, um gemeinsam zu sterben. Sie hinterließen ein Zelt und Spuren im Schnee, die Richtung Abgrund führten - und eine Frage, auf die es keine Antwort gibt: Warum?

Norwegen, um 1886: Ein Mann namens Johannes Rosmer und eine Frau namens Rebekka West springen bei Rosmersholm gemeinsam in einen Wildbach, dessen Wasser hier steil in die Tiefe fällt. Anderthalb Jahre vorher war Rosmers Frau Beata, die an schweren Depressionen litt, an derselben Stelle in den Tod gesprungen. Warum aber sind Rosmer


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