Sideorders: Beisls Comeback

Stadtleben | aus FALTER 49/00 vom 06.12.2000

Die in Wien seit Jahren grassierende Italomanie hat in letzter Zeit eine kleine Atempause erlebt, welche das Neobeisl weidlich nutzte, um sich in bisher selten gekannter Deutlichkeit breitzumachen. Nachdenker sprechen von einer Übersättigung der Konsumenten bezüglich mediterraner und exotischer Kost sowie von einer daraus resultierenden Zuwendung zum Verwurzelt-Heimatlichen. In Wirklichkeit dürfte es aber ganz einfach ein Aufholprozess der österreichischen Küche sein, der einfach verhältnismäßig spät und verhältnismäßig geballt auftritt.

Schöne Perle, 2., Ecke Leopoldg. / Große Pfarrg., Tel. 0664/243 35 93, tägl. 11-2 Uhr.

Geräumiges Eckbeisl, von Szenelokal-Routinier Georg Aichmayr und seinen Architekten zum spektakulären Mittelding zwischen einst und jetzt gestaltet. Küche ohne alle Flausen und Mascherln, verlässlich, gut und gut besucht. Hohes Rollkragenpullover-Aufkommen.

Immervoll, 1., Weihburgg. 17, Tel. 513 53 88, tägl. 11-24 Uhr.

Ehemalige Weinstube Otto Obenaus, von Hermann Czech optisch auffrisiert, von Hanno Pöschl und Sigi Immervoll betrieben. Publikumsmäßig der legitime Nachfolger des "Oswald & Kalb" (gibts freilich noch, ist immer noch okay!), der Name des Lokals ist - zumindest am Abend - Programm: ohne Reservierung kaum eine Chance.

Kern-Beisl, 1., Kleeblattg. 4, Tel. 533 91 88, Mo-Fr 9-23 Uhr.

Wieder eine Übersiedelung: Das bei Alt und Jung beliebte Kern-Beisl verließ die Wallnerstraße und zog ins ehemalige "Kleeblattstüberl". Lüftung ist hier besser, Ambiente genauso skurril, Küche nach wie vor exzellent, wenn nicht sogar noch besser geworden. Beislmäßige Oberliga, ohne Reservierung definitiv keine Chance.


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