Vor 20 Jahren im Falter

... war New Wave in Wien kein Fremdwort mehr und Rabbi Herschkowitz besprach die neue Platte von "Minisex".

Vorwort | aus FALTER 50/00 vom 13.12.2000

Erstens: Wer die Minisex kennt UND liebt, hat die Platte längst zu Hause stehen. Dem Rest fehlt ein kleineres Juwel ...

Zweitens: Wer noch immer behauptet, man kann in Österreich keine guten Platten machen, gehört endgültig in den Mond geschossen.

Drittens: Rudi Nemeczek frisst kleine Punks.

Und: Intellektuellisierende Hilfsnachtwächter und Dialekt- (nicht Dialektik-)Fanatiker, George-Benson-Freaks und Liebhaber linkselitärer Politklampferei, (nein, nein, du bist damit nicht gemeint, lieber Wolf Bierernst) bitte ich weiterzublättern.

"HEKTIK/DIALEKTIK", Co-written von Dr. pop. der heimischen Musikklinik Tom Petting, lässt die Kaffeetassen das erst Mal klirren ... witzige Popmusik im Autobahnsound, ... mit dem Ultrazahntrala ... "Regen", ist eins von diesen "Ich bin zwar nicht Jacques Brel, aber ich weiß, wie mans macht"-Chansons. "IST KALT", Dire Straits lassen grüßen, und dann ein Schlag in den Bauch, "MOSAIK IN FLAMMEN" kommt auf einem höllischen Bassriff daher ... komm, gib mir Liebe ... in den Zweigen zwitschern die Synths ... sie besorgens uns recht ordentlich, als ich den Mund wieder zubringe, ist der Kaffee kalt und ich drehe die Platte um. Zum Niedersetzen komme ich nichtmehr ... werde vom schneidigen Two-Tone-Sound durchs Zimmer gewirbelt. In Nju Weef oder sonstige Schubladen lassen sich Nemeczek und Co. sowieso nicht pressen, und wenn Rudis allgegenwärtiges Organ (die STIMME, mein ich) nicht wäre, klänge sie auf Grund der verschiedenen Stilrichtungen fast wie ein Compilationsalbum.

Minisex' moderne Musik muss man mögen und nicht mit Mi-Sex verwechseln, die sind fürchterlich.

Apropos M: Mordbuben und Morak sind noch immer dort, wohin ich sie fallen ließ. Unterm Tisch.


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