Halleluja, die Show

Fernsehen. Christoph Schlingensief hat auf MTV eine neue Show: "U3000". Der Filme-, Theater- und Fernsehmacher sprach mit dem "Falter" über das deutsche Talkshow-Massaker in der Berliner U-Bahn.

Medien | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 50/00 vom 13.12.2000

Die Familie Abels aus Berlin. Drei Kinder, Wohnung verschimmelt, Vater arbeitslos, Mutter zuckerkrank, das Sozialamt will nicht zahlen. Vater spricht, Mutter weint. Eine typische Familie, wie sie in Talkshows allnachmittäglich vorgeführt wird. Gegenüber sitzen die Schlagerjodlerinnen Margot und Maria Hellwig. Der Moderator fragt: "Glauben Sie die Geschichte Familie Abels?" Jodelmutter und -tochter sind betroffen: "Aber wir haben doch ein Sozialsystem!" Dann gehts weiter mit den Hip Hoppern von Spezialistz im "Tanzwagen". Der Kontrast zwischen heiler Welt und hartem Schicksal, zwischen MTV-Welt und Trashkultur, zwischen "real" und Fake ist groß. Und wohl auch beabsichtigt: "Liveschaltung" in einen Kuhstall, wo eine Kuh kalbt, "Liveschaltung" in ein Krankenhaus, wo ein alter Mann stirbt, Liveschaltung zu einer "Außenwette", wo Herr Krishnamurthy mit einem Hammer auf ein Auto einschlägt, in dem seine Familie sitzt, und so gegen den eisschwimmenden Berliner "Kultursenator" antritt. "Halleluja",


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