Halleluja, die Show/Schlingensiefs Ausländer raus: "Verwirrendes Büchlein"

Medien | aus FALTER 50/00 vom 13.12.2000

Viel ist über Christoph Schlingensiefs Festwochen-Projekt "Bitte liebt Österreich" geschrieben worden - vor allem während die Aktion, bei der im Juni 2000 zwölf (gefakte) Asylbewerber eine Woche lang in einem Container neben der Staatsoper von Kameras überwacht leben mussten. Nun ist bei Suhrkamp ein Buch zu der "Big Brother"-Theateraktion erschienen. Für "Schlingensiefs Ausländer raus" wurde die Form der Montage gewählt: Mehrere Ebenen laufen parallel. So gibt eine Art Newsticker auf jeder Seite unten über den Wirbel rund um das Projekt Auskunft. Ein - extra nicht funktionierendes Daumenkino - zieht sich durch das komplette Buch, theoretische Texte und Essays, unter anderem von Elfriede Jelinek, Armin Thurnher, Jens Roselt und Diedrich Diederichsen, werden collagiert mit Bildern, Protokollen von "ZiB"-Auftritten, Diskussionen oder Verhandlungen mit Behörden, fiktiven Porträts der "Insassen", Dokumenten und Presse-Clippings sowie dem Container-Tagebuch. Kompiliert haben "Schlingensiefs Ausländer raus" Standard-Redakteur Claus Philipp und der Dramaturg Matthias Lilienthal. "Einerseits hat dieses Buch die Aufgabe, die Aktion zu dokumentieren", erzählt Philipp. "So kann später niemand sagen, dass es den Mölzer-Kommentar oder diverse Schlagzeilen nicht gegeben hat." Darüber hinaus soll das Buch aber auch als eigenständiges Werk zu lesen sein. Ein Großteil der Texte ist deswegen erst später in Auftrag gegeben worden - als Nachbetrachtungen. In Falter 49 empfiehlt Elfriede Jelinek "Schlingensiefs Ausländer raus" zum Lesen und Verschenken als "nervöses und verwirrendes Büchlein, in dem man sich keine Sekunde ausruhen kann." C. W.

"Schlingensiefs Ausländer raus" ist als Band 2210 der edition suhrkamp erschienen (mit CD-ROM, 272 S., öS 166,-).


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