Kommentar: Die Sehnsucht nach dem Poetenleben


Klaus Nüchtern
Kultur | aus FALTER 50/00 vom 13.12.2000

Einem Dichter, so meinte Robert Gernhardt einmal, müssten einfach ein paar "Hammerzeilen" gelingen, die sich auch in lyrikfernen Konsumentenkreisen durchsetzen und in den alltäglichen Sprachgebrauch einsickern. H.C. Artmann gehörte nicht zu denen, die mit dem Hammer dichten, aber die ein oder andere Zeile aus der "schwoazzn dintn" wird auch dem Anspruch von Robert Gernhardt gerecht. Dennoch ist es wohl weniger der "ringlgschbüübsizza", der "kindafazara" oder die "faschimpöde fuasbrotesn", die H.C. Artmann zu jenem Inbegriff des Poeten gemacht haben, als der er nun gepriesen wird - in diesem Blatt ebenso wie vom Bundespräsidenten, der Artmann zum "letzten unverfälschten Dichter" und zu einem "Patrioten der Sprache" ernannte.

Nun gibt es natürlich gute Gründe, Artmann als letzte Inkarnation des Poeten anzusehen: Offenbar war die Grenze zwischen Dichtung und Leben in seinem Falle tatsächlich um einiges durchlässiger als in anderen Biografien. Und dann gibt es auch noch jene legendäre,

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