Operette sich, wer kann

Film. In "Topsy Turvy" erzählt Mike Leigh am Beispiel des Erfolgsteams Gilbert & Sullivan vom Beginn der modernen Unterhaltungsindustrie.

Kultur | Michael Loebenstein | aus FALTER 50/00 vom 13.12.2000

Die beiden Herren auf der Chaiselongue vermeiden gekonnt, einander anzusehen. "Dann finden Sie einen Zaubertrank ...", schlägt der mit dem Ehrfurcht gebietenden Schnauzbart vor. "1881 war es eine Zaubermünze. Dann, im letzten Stück erst, eine Zauberpastille ...", entgegnet resignativ der andere. "Wenn Ihnen das nicht zusagt, sollten Sie sich vielleicht an Herrn Ibsen in Oslo wenden", lautet die mürrische Replik. Vorgebracht wird sie von William Gilbert, Librettist und Theaterregisseur, von der Londoner Presse seit kurzem mit dem zweifelhaften Prädikat "The King of Topsy Turvydom" geadelt (ein Ausdruck, der sich am ehesten noch mit "heilloses Durcheinander" übersetzen lässt). Es ist das Jahr 1884, und Gilberts populistisches Gespür für einfach gestrickte, märchenhafte Geschichten will seinem Arbeitspartner, dem Komponisten Arthur Sullivan, so gar keine Freude bereiten - strebt dieser doch nach der Anerkennung der großbürgerlichen Salons und Soireen.

"Topsy Turvy" erzählt vom


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