Spielplan

Kultur | C.Fastner / P.Rathmanner | aus FALTER 50/00 vom 13.12.2000

Für die Augen die Stille darstellen, für die Ohren das Unsichtbare zum Klingen bringen." Dieser Anspruch von Peter Eötvös liest sich so aufgeblasen wie banal wie kitschig. Trotzdem: Besser lässt sich sein Klangtheater "As I Crossed a Bridge of Dreams", das Michael Scheidl im Schauspielhaus inszeniert hat, kaum beschreiben. Denn es geht außerordentlich vage und fragil zu in den knapp 1000 Jahre alten Tagebuchaufzeichnungen einer japanischen Hofdame, die dem entrückten Werk zugrunde liegen: Sarashina (Birgit Doll) erinnert sich an ihre Jugend, drei Akteure (Roberta Cortese, Margarete Jungen, Johann Leutgeb) machen einzelne Szenen durch dicke Nebelschwaden hindurch sichtbar. Was unsichtbar bleibt - Hoffnungen, Ängste und Enttäuschungen - lässt Eötvös mithilfe von Raumelektronik (Peter Böhm), zwei Posaunisten (Gerard Buquet, Mike Svoboda) und dem Klangforum Wien unter Gergely Vajda erklingen. Wer sich das nicht anschaut und -hört, hat die beste Opernproduktion des Jahres verpasst.

Nebenan, im Schaufenster des Schauspielhauses, weihnachtet es sehr. Doch Weihnachtsgeschichten haben es schwer. Nicht genug damit, dass sie das Gemüt rühren, die Seele erwärmen und das Herz erweichen sollen - nein, auch eine kritische Distanz zum Thema wird ihnen abverlangt. Autor Josef Rieser will übereifrig alle Ansprüche erfüllen und konstruiert eine leidlich überzogene Geschichte: Elli, die Heldin des Monologs "Furor", ist geistig etwas umnachtet und irrt am Heiligen Abend obdachlos herum. Sie wird sich im Verlauf des Stückes an ihrem Exmann rächen. Wie kann er bloß eine neue Familie gründen, während sie krank vor Verzweiflung draußen vor der Tür steht? Der Clou von Hans Gratzers Inszenierung ist, dass Elli als Sandlerin tatsächlich auf der Straße spielt, während das Publikum im Warmen sitzt und via Lautsprecher am Geschehen teilnimmt. Sicher eine der gelungensten Schaufenster-Produktionen - wenn nur nicht dieses vermaledeite Weihnachtsmärchen wäre.


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