Stadtrand: Sie trauen sich wieder

Stadtleben | aus FALTER 50/00 vom 13.12.2000

In den letzten Jahren ist es ruhig um sie geworden. Sie haben sich verschreckt im Hintergrund gehalten: Pelztragen galt - wenn man nicht gerade Waschbär oder Robbe war - als politisch nicht korrekt, Anti-Pelz-Kampagnen und Aufklärung über Tierqualen in der Pelzzucht haben Pelzhändlern und -trägern auch in Wien den Spaß am toten Tier verleidet. Da hat man den Zobel lieber im Schrank hängen lassen und sich mit dem ebenso warmen, aber weniger prestigeträchtigen Webpelz begnügt. Aber diesen Winter trauen sie sich wieder: Zobel-, Nerz- und Co-Trägerinnen haben die City zurückerobert und tragen ihre Felle penetrant zur Schau. Und reagieren dann ungehalten bis aggressiv, wenn ihnen etwa in der Fußgängerzone ein Tierschutzaktivist Infos über Tierquälerei in der Pelzzucht zeigen will. "Ich habe ein Recht auf Pelz", fauchte vergangenen Einkaufssamstag eine ältliche Blondine im wallenden Nerz den Tierschützer auf der Kärntner Straße an. Und andere Pelzträger schimpften gleich mit - am liebsten hätten sie den Tierschützer wahrscheinlich verprügelt. Da sollte man doch über den Zaun nach Deutschland schauen: Dort ist Pelztragen einfach komplett out. Dort erinnern sich nämlich die meisten noch an den guten alten Spruch: Nur Schlampen und Tiere tragen Pelze. J. O.


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