"Pures Profitdenken"

Bezirke. Eines der letzten und schönsten Biedermeier-Anwesen des Alsergrunds, der Hof vom Stomach, soll verbaut werden: mit einem Neubau samt Tiefgarage.

Stadtleben | Julia Ortner | aus FALTER 50/00 vom 13.12.2000

Klaus Peymann lässt die Affäre am fernen Wiener Alsergrund gar nicht kalt. Peter Turrini will kämpfen. Hans Gratzer ist sauer: Viele Theaterleute fürchten, dass eines ihrer Lieblingslokale, das Stomach am Alsergrund, sein besonderes Altwiener Flair verlieren könnte. Denn der Eigentümer der Stomach-Adresse Seegasse 26 / Rögergasse 5, Schuster-Immobilien, will das denkmalgeschützte Biedermeieranwesen, eines der letzten und schönsten im Bezirk, umbauen.

Neben der Sanierung der Gassengebäude sorgt ein Plan für besonderen Unmut: Die alten Hofgebäude sollen abgerissen, Bäume abgeholzt werden und der idyllische Gastgarten des Stomach einem dreigeschoßigen Neubau samt einer Tiefgarage weichen. Jetzt wollen eine Bürgerinitative, die Bezirks-Grünen und Kulturschaffende wie Turrini das geplante Projekt verhindern. "Eine Baubewilligung gibt es zwar schon - aber der endgültige Bescheid der Denkmalschützer steht noch aus, genauso wie die vom Hauseigentümer beantragte Förderung des Stadterneuerungsfonds", erklärt der grüne Bezirksrat Michael Landesmann. "Der Neubau passt nicht zu dem Biedermeierhaus, der Hof wird in seiner gewachsenen, schützenswerten Struktur zerstört."

Davon sind auch die beiden Wirte des Stomach, Franz Riebenbauer und Gerald Mauerhofer, überzeugt. "Mit dem geplanten Projekt wäre das alte Stomach tot. Dann muss man sich überlegen, ob man das Lokal überhaupt weiterführt." Riebenbauer wünscht sich "eine sanfte Sanierung" der bestehenden alten Gebäude und kritisiert das "pure Profitdenken" des Hauseigentümers, der bis Redaktionsschluss für den Falter nicht erreichbar war. "Der Eigentümer möchte mit den geplanten Garagenplätzen viel Geld verdienen. Und öffentliche Gelder wie die Förderungen aus dem Stadterneuerungsfonds sind doch für die Erhaltung von Kulturgut und nicht für rein wirtschaftliche Interessen einer Firma gedacht."


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