Tier der Woche: Wartungsarbeit

Stadtleben | Peter Iwaniewicz, iwaniewicz@falter.at | aus FALTER 50/00 vom 13.12.2000

Im Advent wird ja viel gewartet. Zuerst auf Weihnachten, dann das neue Jahr und den Frühling. Und zwischendurch wartet man auf Straßenbahnen, vor der Supermarktkassa, den Partner, die Pension. Das macht demütig und hilft, die wahre Qualität des Menschen zu erkennen, die ihn vom Tier unterscheidet: Und das ist eben seine Fähigkeit zu warten. Nur manchmal erwachen unsere animalischen Instinkte und wir brechen aus der Kolonne aus, drängeln uns vor, rempeln den Vordermann, erregen uns über den Zustand des sinnlosen Stillstands, schnaufen und schnauben, bis wir uns wieder von der übermächtigen Schwerkraft des Wartens einfangen lassen und still im Kaffeehaus sitzend der baldigen Zuwendung des Servierpersonals harren.

Tieren hingegen ist dieser Zustand fremd. Tiere warten niemals, sondern sie liegen auf der Lauer oder halten nach Beute Ausschau. Tiere schlafen, befinden sich in Kältestarre oder verbringen Trockenzeiten in Form einer Zyste. Letzteres empfiehlt sich zwar nur für Einzeller,


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