Bilanz der Saison

Seinesgleichen geschieht. Österreich am Ende des Wendejahres: rechte Hegemonie, europäische Bedeutungslosigkeit.

Vorwort | Armin Thurnher | aus FALTER 51/00 vom 20.12.2000

Es war kein gutes Jahr für Österreich. Man kann sich mit journalistischer Selbstironie trösten, es sei ein gutes Jahr wenigstens für jene Branche gewesen, für die nur schlechte Nachrichten gute Nachrichten sind. Aber selbst gestiegene Umsätze machen die Misere in staatsbürgerlicher Hinsicht nicht erträglicher. Man ist ja kein Unmensch. Die Koalition, die aus dem Keller kam und die es nicht wagte, bei Tageslicht und zu ebener Erde zur Angelobung zu schreiten, hat verheerend begonnen und setzt sich fort in Peinlichkeit. Nur eines muss man ihr lassen: Den symbolischen Kampf gewinnt sie auf allen Ebenen. Die Erfindung des Schulterschlusses knüpfte in genialer Weise dort an, wo der Österreicher am leichtesten zu erwischen ist: bei seinem Selbstwertgefühl.

Dieses Selbstwertgefühl scheintinmerkwürdigem Zusammenhang mit der Selbstwahrnehmung des Landes zu stehen. Man ist empfindlich, aber man weiß nicht genau, wogegen. Jedenfalls dagegen, dass die anderen gegen einen sind. Die Unfähigkeit,


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