"Da kannst dich brausen"

Wiener Slums. Vor fünf Jahren besuchte der "Falter" erstmals den Wolner-Hof am Brunnenmarkt - und stieß auf leidgeprüfte Ottakringer, die in einem heruntergekommenen Bau voll Müll und Gestank leben mussten. Heute verrottet der Kasten immer noch. Trotz Gürtelsanierung. Wie die Stadt an einem Haus scheitert.

Politik | Gerald John | aus FALTER 51/00 vom 20.12.2000

"Zur Lösung des Wohnungsproblems genügt ein Haus: das Rathaus."

Vizebürgermeister Bernhard Görg, Dezember 2000 Es gibt Menschen, die beginnen zu schnauben. Anderen läuft der Schädel rot an. Auguste Schinko hingegen bekommt, wenn sie zornig wird, Schlitzaugen. Und das kann für ihre nähere Umgebung gefährlich werden, denn Schinko besitzt nicht nur ein spitzes Mundwerk, sondern auch eine Gaspistole und eine Steinschleuder. Dass sie seit vielen Jahren genügend Anlässe findet, ihre Waffen einzusetzen, ist dokumentiert. Die 75-jährige Dame kramt in einer Schachtel mit Dutzenden Bescheiden, Amtsbriefen und Beschwerdeschreiben und zieht die Kopie eines alten Falter-Artikels heraus. "Na, bin ich nicht süss?", grinst Schinko: "Wie eine Chinesin schau ich aus."

Damals, 1995, im Wolner-Hof, Gaullachergasse 4: Mit mulmigem Gefühl in der Magengrube tasteten sich zwei Falter-Redakteure durch das stockdunkle Treppenhaus, übersahen im Schein einer Feuerzeugflamme, dass das Stiegengeländer


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