Berührung zweier Hände

Film. Wong Kar-wais "In the Mood for Love" zeigt Andeutungen einer tragischen Liebe zwischen Tür und Angel.

Kultur | Michael Loebenstein | aus FALTER 51/00 vom 20.12.2000

Sie war schüchtern, senkte den Kopf, gab ihm Gelegenheit, näher zu kommen (...) Doch er hatte Angst, sich ihr zu nähern (...) Sie dreht sich um und geht."

Diese kurze Geschichte steht - als bloßer Text auf schwarzem Grund - zwischen dem Vorspann und dem Einsetzen von Bild und Ton. Sie ist kurz und schnörkellos und umreißt jenen Moment der (Nicht-)Entscheidung, der im Zentrum des Melodramas liegt. Das Warten auf ein Zeichen des geliebten Menschen, sichtbar in der erwartungsvollen Spannung des Körpers, des Gesichts in Großaufnahme, auf dessen Oberfläche der Affekt gleichermaßen Wellen schlägt: Momente der höchsten somatischen Aufladung, derer das Kino fähig ist.

Dass "In the Mood for Love", Wong Kar-wais fremdartig-schöne Annäherung an das Genre, diese essenzielle Konfrontation vorwegnimmt, hat System: Der Hongkonger Regisseur nähert sich seiner Erzählung mit formaler Strenge und dem offensichtlichen Vorhaben, die Geschichte einer versäumten Liebe zwischen Frau Chanund Herrn


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