Spielplan

Kultur | Karin Cerny | aus FALTER 51/00 vom 20.12.2000

Neulich im Theater in der Josefstadt. Vor mir sitzt ein Mann mit seiner Frau/Freundin. Mit der einen Hand schlägt er sich nach jedem Scherz auf den Schenkel, während die andere weiter ruhig auf dem Knie seiner Partnerin ruht. Er lacht laut und murmelt jedes gute Wortspiel nach. Ein Verhalten, das für Umsitzende zwar nicht unbedingt angenehm ist -dass es aber völlig falsch wäre, kann man auch nicht sagen. Nestroys späte Posse "Mein Freund", in der unsichtbaren Regie von Peter Gruber, funktioniert bestenfalls wie ein Kabarettabend, der sich aus halbwegs guten, schlechten und ganz üblen Soloauftritten zusammensetzt. Theater im eigentlichen Sinn, also: das Zusammenspiel von Figuren, darf man hingegen nicht erwarten, dafür ist auch das Gefälle in Stil und Können der Akteure zu groß. Helmut Lohner hat man schon länger nicht mehr so locker und gelenkig erlebt. Thaddäus Podgorski, Kurt Sobotka und Fritz Muliar hat man seit einiger Zeit nicht mehr auf der Bühne gesehen - und zu Recht nicht vermisst.

Neulich in der Gruppe 80. Hary Prinz stürzt nackt in einen Raum, von dem man nicht weiß, ob man ihn furchtbar oder schick finden soll (Bühnenbild: Amina Handke). Später zieht er einen altmodischen Putzkittel über. Peter Handkes "Kaspar" wird zur Hausfrau diszipliniert. Darf man jetzt lachen oder nicht? Alle im Publikum sind unsicher, man beschließt zuschmunzeln. An gut getimetem Slapstick schrammt die Inszenierung von Helmut Wiesner zwar meist vorbei, trotzdem ist sie erstaunlich textemanzipiert und verspielt. Man wagt sich vor allem nach der Pause weit vor, Prinz gibt verschiedene Entertainertypen und spielt via Kassettenrekorder Elvis-Nummern ein, während die anderen die Bühne verwüsten und Gaga spielen, als wären sie in Lars von Triers Film "Idioten". Wie sich die Gruppe 80 lockert und zu neuen Ufern des Regietheaters aufbricht, ist nicht uninteressant, nur dass man die Wildheit zumindest diesmal nicht so recht glauben mag.


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