Brot, Erdäpfel und Milch

Zwangsarbeiterentschädigung. Im Februar soll mit der Auszahlung von Entschädigungen für die wenigen noch lebenden Zwangsarbeiter begonnen werden. Fast ein Drittel der Anspruchsberechtigten lebt in der Ukraine.

Politik | Nina Horaczek / Lemberg | aus FALTER 02/01 vom 10.01.2001

Brot. Schwerarbeiterkarte. Stillgestanden. Das waren die ersten deutschen Wörter, die Illja Gudz verstand. 1942, als der damals 17-Jährige aus der Ukraine nach Österreich kam. Die Polizei hatte in seiner Heimatstadt Brod einen Straßenabschnitt abgesperrt und alle arbeitsfähigen Männer und Frauen verhaftet und in einem Viehtransportzug in die "Ostmark" verschleppt. "Über eine Woche waren wir unterwegs", erinnert sich Gudz. "Wir durften nicht aussteigen und nicht einmal auf die Toilette gehen. Einmal haben sie uns einen ganzen Tag lang kein Wasser gegeben. Einigen Burschen, die heimlich Wasser holen wollten, wurde nachgeschossen", erzählt der heute 76-Jährige. Angst hatte er aber keine, meint Gudz heute. "Wir wussten ja nicht, was mit uns passiert, ob wir nach Deutschland, Österreich oder nach Afrika fahren." Von Wien wurde er dann weiter nach Sankt Johann gebracht. "Ich war von 4. August 1942 bis zum Mai 1945 in ,Niederdonau', in der Firma Josef Scherz, Sägewerk und Holzwolleerzeugung.


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