Fernsehen

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 02/01 vom 10.01.2001

Früher habe ich vermutet, nur meine Oma, ein paar Hausfrauen und ich schauen sich so etwas an. Deshalbhabe ich mich dafür geschämt. Aber ich bin trotzdem ein echter Lindenstraße-Fan geblieben. Ich habe fast jede Folge dieser superrealen ARD-Soap gesehen - bis auf zwei, drei Mal, als der Videorecorder gestreikt hat. Und wir stehen jetzt immerhin vor Folge 789, zu Weihnachten wurde das 15 Jahres-Jubiläum gefeiert. Die Lindenstraße gewinnt ihren Reiz nur dadurch, dass man wirklich jede Woche zuschaut. Sonst kann man den unkonventionellen Drehbuchideen des Erfinders Hans W. Geissendorfer nicht mehr folgen. Der Mann bringt uns einfach alles, was wir gerne sehen: Ehebruch, Vatermord, Liebe, Intrigen, Ausländerhass, Tratsch, Heroin, Alkoholismus. Menschen sterben wahlweise an Aids, Tollwut, Sexualmord oder einem einfachen Messerstich in den Bauch. Böse bayrische Männer werden von afrikanischen Beautys mit Geflügelschere kastriert: das pralle Leben, nicht ganz realistisch, aber beinahe. Und dazu gibt es auch noch aktuelle deutsche Politik, die Folgen sind immer fast drehfrisch. Da muss man dranbleiben. Nächste Folge: "Angeschlagen", Sonntag, 14.1., 18.40 Uhr, ARD.


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