Wien ist nicht Chicago

Stadterneuerung. In anderen Teilen der Welt werden verwahrloste Stadtteile abgerissen, schick wieder aufgebaut und die früheren Bewohner durch finanzkräftigere verdrängt. Wien saniert die Gürtelbezirke, stampft neue Stadtteile aus dem Boden - von sozialer Verdrängung bemerkt man aber bisher noch nicht viel.

Stadtleben | Julia Ortner | aus FALTER 02/01 vom 10.01.2001

Die schicken Kleinformatvillen liegen hinter weißen Gartenzäunen und hohen grünen Hecken. Eine neben der anderen, Straßenzug um Straßenzug. Dazwischen gepflegte Parks, die frisch renovierte Kirche: eine saubere, sichere Vorstadtidylle mitten in der Großstadt Chicago. Diese Neighbourhood sieht wirklich gut aus. "Vor fünf Jahren war das hier noch ein heruntergekommenes Viertel: dreckig, gefährlich", erzählt die Fremdenführerin, während der Touristenbus langsam durch die Straßen kurvt. Da haben auch noch arme Zuwanderer aus Lateinamerika hier gewohnt. Heute sind es "upper-middleclass people". Weiße Amerikaner mit guten Jobs. Die haben die ehemaligen Bewohner verdrängt - in ein schlechteres Viertel. Natürlich erst, nachdem die alten Häuser niedergerissen und der Stadtteil wieder aufgebaut wurde. Mit hübschen Häusern und hohen Mieten, die sich die ursprünglichen Bewohner nicht leisten konnten. "Gentrification" nennt sich dieses Phänomen, bei dem ganze - entweder ungenutzte


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