Standpunkt: Kreißl ist unschuldig

Politik | aus FALTER 03/01 vom 17.01.2001

Man kann gegen den Wiener FPÖ-Landesgeschäftsführer und Polizisten Michael Kreißl vieles ins Treffen führen. Dass er Polizeiopfern pauschal mit Klagen droht, dass ergemeinsam mit FPÖ-Chef Hilmar Kabas von Josef Kleindienst belastet wird, monatelang gespitzelt und bestochen zu haben, kurz, dass er all das verkörpert, was Kritikern der Polizei die Haare zu Berge stehen lässt. Dass in Kreißls beschlagnahmtem Terminkalender auch die Wortfolge "Häupl" und "Wanzen" gefunden wurde, wird die Justiz in der Spitzelaffäre zu klären haben (bis jetzt wurden noch keine Abhörwanzen bei Häupl gefunden). Dennoch wurde Kreißl Unrecht getan. Die Wiener Polizei verlangt plötzlich seine Entlassung. Begründung: Die Vorwürfe Kleindiensts und das von der Wirtschaftspolizei gefundene Material würden einen "absoluten Vertrauensbruch" darstellen. Mag ja sein. Doch zuerst sollen die Gerichte sprechen. Ohne Schuldspruch keine Strafe. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung. Das gilt gerade auch für Menschen wie Kreißl. Auch in anderen Fällen wartet die Polizei mit disziplinarrechtlichen Schritten ab, bis die Justiz ihr letztes Wort gesprochen hat (etwa als sich Cops mit Koks niederschnupften). Der Schnellschuss der Wiener Polizei riecht nach politischem Aktionismus. Genau der hatte bisher so wohltuend gefehlt. F. K.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige