Streifenweise

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 03/01 vom 17.01.2001

Stanley Kubrick würde im Grab rotieren. Es ist kaum zwei Jahre her, dass er starb, und schon wird er fälschlicherweise zur Hollywood-Legende erklärt. In diesem Zusammenhang und eines getauschten Fotos wegen ist mir im Filmlexikon der Vorwoche ein bedauerlicher Irrtum unterlaufen: "Il gattopardo", hieß es dort in einer Bildunterschrift, sei in der Filmmuseumsreihe "Hollywood Legends" (bis 26.1.) zu sehen. Das war natürlich Unfug (Viscontis Film lief zwar, allerdings nicht in dieser Schiene mit von der Library of Congress restaurierten Klassikern des amerikanischen Kinos). Stattdessen wurde in der Reihe u.a. "Dr. Strangelove or How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb" gezeigt. Was freilich ein noch größerer Unfug ist. Dass die Library in Washington diese rein britische Produktion gerne für Amerika reklamieren möchte, ist eines; dass das Österreichische Filmmuseum noch eins draufsetzt und sie als Hollywood Legend verkauft, etwas Zweites (Kubrick war nachweislich alles, nur kein Hollywoodianer). Solche "Programmarbeit" jedenfalls war man, bislang zumindest, eher von einer anderen Institution gewohnt.

Apropos. Das Filmarchiv Austria startet nächste Woche eine von Sylvia Szely und Dietmar Schwärzler (vom Verein Projektor) kuratierte Reihe titels "Zwischenstation", eine spannende Retrospektive "rund um den österreichischen Fernsehfilm 1970-1986". Auf dem Programm stehen Raritäten aus dem Archiv des ORF - von Fritz Lehners "Schöne Tage" über Axel Cortis "Totstellen" bis zu Herbert Brödl und Wilhelm Pevnys "Nachrichten richten nach" - sowie eine Hand voll während dieser Jahre entstandener heimischer Kinofilme (von 23.1. bis 4.2. im Imperial Kino).


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