Aufgeblättert

Kultur | Martin Droschke | aus FALTER 03/01 vom 17.01.2001

In der CSSR war es bekanntlich nicht gut um die geistige Freiheit bestellt. Wer die ihm vom Staat zugewiesene Rolle als williges Glied in der proletarischen Einheitsfront nicht akzeptierte, dem blieb nur der Kampf um ein Touristenvisum, die einzige Möglichkeit zum Grenzübertritt in den goldenen Westen. 1982 schaffte Jaromir Konecny den Sprung nach Bayern, wo er heute die literarische Subkultur-Szene aufmischt. Gewohnt autobiografisch hangelt sich sein Alter Ego in "Das Geschlechtsleben der Emigranten" von einer eingeborenen Frau zur nächsten, denn jeder Hautkontakt bringt ihn der so sehr ersehnten Integration näher. Als sensibler Mann kann er nämlich erst mit der Fremde intim werden, wenn ihm warme Betten offen stehen. Doch die bayerische Frau verschließt sich der Vision einer multikulturellen Gesellschaft. Frei, aber unbefriedigt streift der Held durch München. Bis ihn dort nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eine Freundin von drüben aufstöbert und das Jahrzehnt der Enthaltsamkeit


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