Spechteln und Schwitzen

Sauna. In der kalten Jahreszeit pilgern Männer und Frauen scharenweise in die Saunaanstalten. Was gefällt den Wienern eigentlich so sehr am gemeinsamen Schwitzen?


Nina Horaczek
Stadtleben | aus FALTER 03/01 vom 17.01.2001

Das Thermometer zeigt 100 Grad. Zwanzig Männer und gerade einmal vier Frauen hocken nackt und eng gedrängt auf Holzbänken in der Sauna des Thermalbads Oberlaa. Der herbe Geruch schwitzender Körper durchströmt den Raum. Das rote Licht leuchtet auf. Schon betritt die zentrale Figur die Hitzekammer: der "Wachler". Bewaffnet mit einem Kübel Wasser und einem Handtuch in der Hand zieht er in seine Arena ein. "Jetzt zeig ich euch, was schwitzen ist", erklärt er dem Volk zu seinen Füßen und spritzt mit einer Holzkelle kaltes Wasser auf die glühend heißen Steine. Dampf steigt auf, und mit dem Dampf setzt der Leidenschor der Schwitzenden ein. Es wird geseufzt und gestöhnt. Vereinzelt hört man ein leises "Is der deppat?", während der Zeremonienmeister immer mehr Wasser zum Verdampfen bringt. Der Wachler lacht. Er ist der König der Saunakabine. Dort, wo alle nackt sind, wo man den Bankdirektor nicht vom Straßenkehrer unterscheiden kann, ist er mit seinem Handtuch und dem Wasserkübel

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