Vor 20 Jahren im Falter

... zum "Jahr der Behinderten" blockierten Rollstuhlfahrer eine halbe Stunde lang alle Eingänge der Hofburg.

Vorwort | aus FALTER 04/01 vom 24.01.2001

Nach dem "Jahr der Frau" und dem "Jahr des Kindes", die, wie wir gesehen haben, durchgreifende Veränderungen mit sich gebracht haben, freuen wir uns jetzt auf das "Jahr des Behinderten".

Wir freuen uns, dass die bisherigen Leistungen und Errungenschaften endlich in geeigneter Form gewürdigt werden. Die Freude der Politiker und Funktionäre, in Festakten auftreten zu können, ist nur zu verständlich. Ihre freudigen Worte werden durch die Medien in die hintersten Winkel unseres glücklichen, beschaulichen Landes getragen.

Sicher wird der über alle Medien verbreitete Vorschlag, durch Spenden weiterhin das Schicksal der Behinderten verbessern zu können, freudig aufgenommen werden.

Ist doch bekannt, mit welch freudiger Aufgeschlossenheit Helfer und Funktionäre geradezu glückliche Inseln, wie z.B. Heime und ähnliche Sonderanstalten, in langer, aufopferungsvoller Tätigkeit geschaffen haben.

Die "Wochen der Begegnung" und die "Dialoge" zwischen den verschiedenen Organisationen und den "Standesvertretungen" werden die freudige Kenntnis bringen, dass über alle kleine Zwistigkeiten hinweg ja doch alle durch ihren gemeinsamen Weg verbunden sind.

Potente Finanzgeber - mit oder ohne Koffer - werden freudigen Herzens nach ihren Möglichkeiten am Gelingen des guten Werkes mithelfen.

Ob dieser allenthalben geübten Wohltaten wird sich selbst die Tierwelt anschließen. Große und kleine Tiere, bis hin zu den Krokodilen am fernen Nil, werden Freudentränen vergießen.

Ein kleiner Wermutstropfen fällt allerdings am Ende des Jahres in das Meer der Freudentränen: Die Behinderten sind darin umgekommen.


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